50 Jahre Deutsch-Türkisches Anwerbeabkommen

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50 Jahre Deutsch-Türkisches Anwerbeabkommen

Duisburg feiert!

„Mein Opa war Bergmann. Der kam aus der Türkei.“ So könnten unzählige junge Duisburgerinnen und Duisburger anfangen, ihre Familiengeschichte zu erzählen. Deutsche? Türken? Menschen mit Migrationshintergrund? Fest steht: Seit Generationen gehören sie zu uns. Schon vor Jahrhunderten holte Deutschland immer wieder tüchtige Einwanderer ins Land. Den ersten türkischen Gastarbeitern aber gebührt ein ganz besonderer Dank, denn sie haben unser „Wirtschaftswunder“ mit geschaffen.

Das Jubiläumsjahr 2011 lädt ganz besonders dazu ein, bewegte Geschichte(n) und lebendige Zukunft der Türken in Deutschland zu würdigen. Die Stadt Duisburg feiert 50 Jahre Anwerbeabkommen mit einer Vielzahl ideenreicher Veranstaltungen. Kein Wunder: Wir sind Deutschlands Nummer Eins in Sachen kultureller Vielfalt! Insgesamt rund 160.000 Duisburger Mitbürger sind einst aus Polen, Russland, Spanien, Portugal, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Kosovo, Marokko, Tunesien, Korea, Griechenland, der Türkei und Italien zugewandert – darunter allein ca. 85.000 Türkischstämmige!

Begonnen hat alles im  Herbst 1961. Davor gab es auch Anwerbeabkommen mit Italien 1955, Spanien und Griechenland 1960. Das Wirtschaftswunder bot Jobs ohne Ende – Jobs, die Deutsche nicht machen wollten oder konnten. So schloss die Bundesrepublik mit der Türkei das historische Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften. Damit begann eine einzigartige Einwanderungsgeschichte, die Deutschland verändern sollte.

 

„Deutschland wollte Arbeitskräfte, gekommen sind Menschen“ Max Frisch

Wer in „Almanya“ arbeiten wollte, musste 15 strenge Prüfungen und teilweise demütigende Untersuchungen absolvieren. Wer dann kam – das waren gesunde, tüchtige, fleißige und hoffnungsvolle Menschen. „Ihre Hoffnungen waren größer als ihre Koffer“, hieß es. Sie schafften im Akkord in Stahlwerken und Autofabriken, als Bergarbeiter und Maschinenschlosser. Jede fünfte angeworbene Person war eine Frau, jeder dritte war Facharbeiter oder angelernte Arbeitskraft, es kamen auch viele Studenten und Abiturienten. Was nur wenige wissen: Die Qualifikationen der Türken lagen erheblich höher als die anderer Gastarbeiter-Nationen.

Heute leben in vierter Generation rund drei Millionen türkischstämmige Menschen in Deutschland. Sie haben sich in einem halben Jahrhundert zu einem festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft entwickelt. Die über 720.000 türkischen Haushalte sind kopfstark und lebendig, sie zählen durchschnittlich 3,7 Personen. Dazu sind Deutschtürken eine erfreulich junge Bevölkerungsgruppe: 53 Prozent sind unter 30 Jahre alt (Deutsche: 34 Prozent). Zur Wirtschaftskraft unserer Nation tragen 83.000 türkische Unternehmen mit 330.000 Beschäftigten erheblich bei.

 

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